GaiDao 91 Juli 2018

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GaiDao 91 Juli 2018

Hallo Menschen,

“Juhu!”, dachte ich diese Tage, “alles voller Schwarz-roter Fahnen!” – und dann so “Och, menno! Da ist ja noch gelbgoldgeil dabei.” Schon wieder irgendwas mit Fußball? Kurz einen Blick auf die Zeitungsauslage des örtlichen Dorfsupermarktes geworfen und meine Vermutung wurde bestätigt: Die Fußballweltmeisterschaft der Männer* hat begonnen und mit ihr ein allgemeiner patriotischer Taumel von Rechts über die Mitte bis nach Links. Unsere WG-Tageszeitung, die “linke” taz, ballert ihre Leser*innen mit täglichen fünf WM-Sonderseiten zu und trötet in die schwarzrotgeile Vuvuzela (oder wie die schrecklichen Plastikhörner auch heißen mögen): Wieder mal werden Überlegungen laut, sie endlich zu kündigen.
Gefühlt jedes zweite Auto ist mit Fahnen, Spiegelsocken, Papiergirlanden, Styroporspoilern u.ä. Patriotika geschmückt (in Wahrheit sind es nur ca. fünf von 100 Autos, aber das sind schon fünf zu viel…). Immer beliebter werden XXXXXXXL-Flaggen, die ganze Hausfronten verdecken und viele Kinder tragen im Kindergarten und in der Schule Nationalfarben im Gesicht und Trikots am Leib. Und das I-Tüpfelchen auf der ganzen Scheiße ist die Arztpraxis, die ich aufsuchen musste. Auch hier die drei Farben, die für mich weder für Party noch für eine wie auch immer geartete emanzipatorische Gesellschaft stehen.

Das alles törnt mich ziemlich ab. Patriotismus, Nationalismus, Chauvinismus. Wir wissen, wo das hinführt. Wir wollen in die entgegengesetzte Richtung. Darum haben wir euch wieder mal eine ziemlich breit gefächerte Ausgabe der Gai Dao zusammengestellt, um die theoretische Diskussion zu bereichern und euch zu Aktionen für eine Welt ohne Herrschaft, Patriarchat und Kapitalismus anzustiften.

Lest unter anderem in dieser Ausgabe (erstellt bei sommerlicher Hitze, die noch durch ratternde PCs erhöht wurde) über einen jungen Anarchisten in Rojava, Anarchismus in Bangladesch, ein Interview mit den Leuten vom Umsonstladen in Nürtingen, eine Buchrezension zum Verhältnis von Anarchie und Demokratie und Aufrufe zum A-Camp in Österreich und zu einer Demo gegen das neue Polizeigesetz in NRW.

Wer sich abseits von Fußballkucken sportlich betätigen möchte, sei auf Capture The Flag hingewiesen (auch wenn wir’s mit Wettbewerben nicht so haben, hier machen wir eine Ausnahme): patridiotenschreck.blogsport.eu

Ansonsten: blaumachen, raus an den Baggersee und mit den Leuten ins Gespräch kommen. Es braucht uns alle für die Revolution.

nigra für die gai dao-Redaktion

Nachtrag, Mittwoch, 27.06.2018, ca. 18 Uhr: Um es mit Nelson Muntz zu sagen: Haha!

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