Silvester zu den Knästen!

Wie in vielen anderen Städten auch haben wir an Silvester den Knast in Frankfurt besucht um den Gefangenen zum Jahreswechsel unsere Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Mit lauter Musik, viel Feuerwerk und Redebeiträgen haben wir uns vor dem Knast in Preungesheim aufgestellt um den dort Inhaftierten den Jahreswechsel ein klein wenig angenehmer zu machen. Den Betroffenen hat unsere Aktion offensichtlich gut gefallen, denn mit lautstarken Rufen und Geklimper wurden unsere Grüße hinter den Mauern freudig aufgenommen. Zu manchen der weiblichen Gefangenen gab es gegen Ende sogar Sicht- und Rufkontakt und so tanzten wir gemeinsam dem neuen Jahr entgegen. 

Wir wünschen allen Gefangenen eine erträgliche Zeit und viel Kraft!

Und ja, wir kommen wieder!

 

Wie wichtig die Unterstützung von draußen ist und wie viel Kraft und Freude das einer geben kann, die hinter Gittern sitzt, verdeutlicht folgender Ausszug aus dem Knasttagebuch von Finn, die im März 2017 in Untersuchungshaft saß.

Falls das eine Anti-Knast-Kundgebung heute Abend war, dann habe ich euch gehört! (Aber da ich NO JUSTICE, NO PEACE… verstanden habe, gehe ich ,mal davon aus dass es eine war!)
Und Feuerwerk habe ich gesehn!

Es ist einfach unbeschreiblich wie viel Kraft mir diese paar Minuten gegeben haben! Ich habe euch auch geantwortet, weiß aber nicht ob das laut genug war.

Wahnsinn! Mir ist das Adrenalin durch den Körper geschossen und für den Moment war ich wahrscheinlich der glücklichste Mensch in diesem ganzen verdammten Knast! Mein Herz klopft immernoch wie verrückt!

Noch Minuten nachdem die Sprechchöre verstummt waren habe ich am Fenster gestanden und mein Ohr an die Gitterstäbe gedrückt um noch ein paar Millimeter näher bei euch zu sein (ging nicht besonders weit, aber egal).
Jetzt wo ich selbst spüre wie UNFASSBAR gut das tut so eine Demo zu hören, während mensch hinter Gittern sitzt, bin ich NOCH froher über jede Minute die Menschen lautstark vor Knästen verbringen!!
Ich freue mich darauf selbst wieder auf der anderen Seite der Mauern zu stehen und meine Wut rausschreien zu können!
Leute, passt auch euch auf!
Ich hab euch lieb!

Das komplette Knasttagebuch von Finn könnt ihr beim ABC-Rhineland nachlesen.

Zum Originalbeitrag

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