9. November: Gedenken an die Novemberpogrome

Wir beteiligen uns auch dieses Jahr wieder an den Gedenkaktionen der Initative Stolpersteine Konstanz. Am 9. November werden wir von 18.00 -18.30 Uhr Stolpersteine in Konstanz putzen und mit Kerzen und Blumen an die Opfer der deutschen Barbarei erinnern. Ihr könnt euch auch selbst beteiligen; alle Infos gibt es auf der Homepage der Initative.

Zudem sei noch an unseren Text von letztem Jahr erinnert: Kein Vergeben – Kein Vergessen! Gegen Faschismus, Volksgemeinschaft und Geschichtsrevisionismus!

Die Stolpersteininitative organisiert dieses Jahr zusätzlich noch mehrere besuchenswerte Veranstaltungen zum Thema:

Kindheit im Nationalsozialismus – Heraus­forderung an die Geschichte
Workshop mit Dr. Verena Buser am 10.11 um 13 – 18 Uhr in der Volkshochschule Konstanz (Katzgasse 7)

Die Dimension der Verfolgung und Ermordung von Kindern und Jugendlichen durch das NS-Regime war beispiellos: niemals zuvor waren Minderjährige in genozidaler Absicht gezielt verschleppt und getötet worden. Der Workshop geht der Geschichte dieser Kinder nach, die als Juden oder Sinti und Roma in Konzentrations- und Vernichtungslager oder als Zwangsarbeiter verschleppt wurden, im Versteck ausharrten oder ihren Familien zur „Germanisierung“ geraubt wurden. Ihre Erinnerungen sind in der Erinnerungskultur der Bundesrepublik noch unterrepräsentiert. Der Workshop geht u. a. den folgenden Fragen nach: Wie konnten sie die NS-Zeit überleben und welche Maßnahmen wurden für die überlebenden „Child Survivors“ in der Nachkriegszeit ergriffen? Was ist das Besondere an den Zeugnissen von Kindern und Jugendlichen? Der Workshop beschränkt sich nicht auf die Jahre der Kindheit, sondern fragt, wie die Geschichte ihr Leben bis heute prägt. Schließlich sollen die Teilnehmer Antworten auf die Frage finden, was aus der Geschichte für den Umgang mit Flüchtlingskindern heute gelernt werden kann.

Heinrich Demerer, Als Kind in NS-Kon­zentrationslagern
Gedenkveranstaltung mit Dr Verena Buser anlässlich des Jahrestages der Reichspogrom­nacht am 10.11. um 19:30 Uhr im Wolkensteinsaal (Kultur­zentrum am Münster)
Die Erinnerungen von Heinrich (Heniek) Demerer, 2007 durch Zufall im Bundesarchiv Ludwigsburg von der Historikerin und Soziologin Verena Buser entdeckt, sind ein seltenes Zeugnis über die Jahre der Verfolgung und die KZ-Haft, reflektiert mit dem Blick eines Kindes. Im Sommer 1943 wird Heinrich einer der jüngsten Häftlinge des Lagers Blechhammer, sein Vater Karl ist dort Lagerältester. Beide überleben bei Kriegsende mehrere Todesmärsche. Die Aufzeichnungen von Heinrich Demerer sind ein eindrückliches Zeugnis des Überlebens polnisch-jüdischer Kindern im Holocaust.

Dr. Verena Buser (geb. Walter) war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung und hat 2009 mit einer Arbeit über das Überleben von Kindern und Jugendlichen in den KZ Sachsenhausen, Auschwitz und Bergen-Belsen promoviert. Sie arbeitet als freiberufliche Historikerin in Berlin.

Zeitzeuge Josef Aron – Als Kind im Konzentrationslager Bergen-Belsen
am 13.11. um 19:30 Uhr im Astoriasaal der Volkshochschule (Katzgasse)

Bei einer Gedenkstättenfahrt im April 2010 haben 8 Konstanzer Schüler den Zeitzeugen Josef Aron kennengelernt, der in Begleitung von engagierten Jugendlichen aus ganz Deutschland zum ersten Mal Auschwitz besuchte, den Ort, wo seine Mutter und 9 seiner Geschwister ermordet wurden. Der Kontakt mit Josef Aron hat die Schüler nachhaltig bewegt und es war ihr großer Wunsch, Josef in Konstanz wiederzusehen.
Anlässlich der Ausstellung „Kinder und Jugendliche – Mit der Reichsbahn in den Tod“ folgt Josef Aron ihrer Einladung nach Konstanz und wird über seine Erlebnisse im Versteck in Frankreich und im Konzentrationslager Bergen-Belsen berichten. Nachdem das Versteck mehrerer jüdischer Kinder denunziert worden war, wurde auch Josef 1942 nach Bergen-Belsen deportiert. Josef Aron war 10 Jahre alt und 11 kg schwer, als er nach unsagbaren Leiden 1945 befreit wird.

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