spanische Kirche meint: Opfer sind die Täter
Das katholische Erzbistum von Valencia provoziert die Empörung der Opfer der Diktatur, denn man sie eine Basilica für die bauen, die an der Seite Francos standen und dabei das Leben verlorenn.
Die 30.000 Opfer des
Faschismus, die allein um Valencia noch immer in Massengräbern liegen,
werden natürlich in dem geschichtsrevisionistischen Anliegen vergessen (
http://de.indymedia.org/2006/09/158104.shtml). Die postfaschistische Volkspartei (PP), die sich von Diktatur und Putsch nie distanziert haben (
http://de.indymedia.org/2006/10/159903.shtml), deren Verantwortliche Gründer der Partei und Ehrenmitglieder (
http://de.indymedia.org/2006/03/140424.shtml)
sind, will das Anliegen der Fundamentalisten mit 4000 Quadratmeter
teuerstem Bauland unterstützen, das der Kirche umsonst für den Bau zur
Verfügung gestellt werden soll. Ein Beispiel, dass die Aufarbeitung der
Geschichte nicht voran kommt.
http://de.indymedia.org/2006/01/136998.shtml). Das Gesetz sollte schon im letzten Jahr zum 70 Jahrestag des Putschs fertig sein, es liegt aber weiter auf Eis (
http://de.indymedia.org/2006/10/160052.shtml),
weil ihm die Unterstützung der Linken und verschiedenen
nationalistischen Parteien fehlt, um eine Mehrheit über die
postfaschistische PP zu erreichen. Die unterstützt derweil lieber
derlei Initiativen, wie die des Erzbistums, mit der die Geschichte zu
ihren Gunsten umgeschrieben werden soll. Der Gemeinderat, der von der
PP bestimmt wird, will 4000 Quadratmeter Bauland, in der teuersten Zone
der Stadt, gratis zur Verfügung stellen. Valencia war kurzeitig auch einmal Hauptstadt der fallenden II Spanischen Republik, in den letzten Tagen des Bürgerkriegs und es war die letzte Stadt, die in die Hände der Putschisten fiel. Die Repression fiel hier extrem hart aus, auch weil sich nach Valènciaviele Gegner der Faschisten geflüchtet hatten. Das Fòrum per la Memòria del País Valencià hat die Namen von 26.300 aufgelistet, die in Massengräbern beim Friedhof verscharrt wurden. Das geschah zwischen dem 1. April 1939 und ging mindestens bis zum 31. Dezember 1945.
Die Opfervereinigung greift an, dass das revisionistische Projekt der Kirche nicht nur ökonomisch unterstützt wird. "Für uns ist es eine direkte Beleidigung für die Erinnerung an die Opfer des Franquismus". Ohnehin sei die Kirche in diese Repression eingebunden gewesen, die Konvente hätten sich nach dem Fall von Valencia allesamt in Knäste verwandelt, die von der Kirchenhierarchie geleitet wurden, sagte Amparo Salvado. Vergleiche:
http://www.nodo50.org/forumperlamemoria/spip.php?article107 Wenn die Kirche eine Basilica für unschuldige Opfer errichten will, könne die Opfervereinigung ihr sofort eine Liste mit 500 Namen von Kindern bis zu zehn Jahren geben, die Opfer des franquistischen Terrors wurden."Wir haben die Fälle von Kindern, auf deren Todesschein Hirnbruch steht, denn sie wurden im Alter von sechs Monaten mit dem Kopf gegen den Boden geschlagen", führt sie weiter aus. Wenn sie ihr ein paar Tage Zeit lassen würden, können es tausende Namen von Unschuldigen werden, fügte sie an.
Es sei ohnehin eine Frechheit, von den 233 als "unschuldige Opfer" zu sprechen, die sich mit Hitler und Mussolini verbündet hätten und an einem Putsch gegen eine legitime Regierung teilgenommen haben. "Kriege werden geführt, um Menschen zu töten. Schuld hat, wer sie begonnen hat und deshalb hat Franco die Schuld für die Toten auf allen Seiten", sagte sie
Die Opfer sprechen von einem "Genozid", der vor allem nach den Kriegshandlungen durchgeführt wurde, als die Menschen ohne jeglichen Schutz waren und Zehntausende der Repression zum Opfer fielen und nun in Massengräbern liegen. Die in Valencia sollten ohnehin von der lokalen PP-Regierung heimlich beseitigt werden, ohne die Opfer zu bergen und zu identifizieren. Man habe die Gräberfelder Tag und Nacht bewachen müssen, bis ein Richter die Arbeiten mit den Bulldozern gestoppt habe (
http://www.elpais.com/articulo/ultima/memoria/gana/pulso/elpepuesp/20061219elpepiult_1/Tes). Offiziell hat sich die Bürgermeisterin entschuldigt (
http://www.larepublica.es/IMG/jpg/fosacomun.jpg&imgrefurl=http://herramientas.blogsome.com/2006/08/08/&h=250&w=450&sz=94&hl=de&start=3&tbnid=blSDbdpsz4b70M:&tbnh=71&tbnw=127&prev=/images%3Fq%3DFosa%2Bvalencia%26gbv%3D2%26svnum%3D10%26hl%3Dde) , die Bulldozer auf die Massengräber losgelassen zu haben. An ihrer Einstellung haben die Postfaschisten, die sich das demokratische Mäntelchen umgehängt haben, allerdings nichts geändert.
Zum zweiten Mal haben es die selbsternannten Sozialisten (PSOE) nun verpasst, die Faschisten endlich in die Schranken zu weisen. Diesmal brauchte es nicht einmal einen Putsch (in den Teile der PSOE ohnehin eingeweiht waren), um den Rest der Partei zur "Ordnung" zu rufen, damit an den Pfründen der Faschisten nicht gerührt wird und die Täter straffrei bleiben. Der Putsch vom 23. Februar 1981, als Teile des Militär in Spanien die Panzer aus den Kasernen holten und die Guardia Civil das Parlament stürmte, scheiterte offiziell und siegte inoffiziell. (
http://de.indymedia.org/2006/02/140127.shtml) Er war aber auch ein Lehrer und Vertrauter des Königs der stets erklärt: "Alles geschah im Dienst der Monarchie", denn dort fürchtete man um ihren Bestand. Die hatte Franco kurz vor seinem Tod wieder eingesetzt und Juan Carlos zum Nachfolger ernannt. So bat der heute 86jährige Blumenexporteur den König zum Prozess um Hilfe. In einem 20 Seiten langen Brief, datiert am 23. März, bittet der noch immer loyale Armada den König, "für die Ehre meiner Kinder und meiner Familie", um die Erlaubnis, vor dem Gericht den "Inhalt unseres Gesprächs, den ich niedergeschrieben habe", verwenden zu dürfen. (Patricia Sverio, Un Rey Golpe a Golpe, S.182 ff und Tondar - "Tondar - Geschichte und Widerstand politischer Gefangener" Hrsg. Ralf Streck, Pahl-Rugenstein Verlag Bonn, ISBN 3-89144-348-X)
Armada wurde zu 30 Jahren Knast verurteilt, ist aber schon 1988 von der PSOE begnadigt worden. Ähnlich ging den übrigen Verschwörern. Zuletzt kam Tejero 1996 frei, er wurde durch die relativ lange Haft dafür bestraft, sich Anordnungen der Putschisten widersetzt zu haben. Armada nannte den Putsch vor fünf Jahren im spanischen Fernsehen einen Triumph, das Land sei wieder auf den richtigen Weg gebracht worden.
Das ist aus dessen Sicht richtig. Die PSOE kam zwar 1982 an die Macht, ihre Versprechen löste sie in 14 Jahren an der Regierung nicht ein. Hatte Gonzales früher öffentlich "Gora Euskadi askatuta" (Hoch ein befreites Baskenland) gerufen, machte seine Regierung später mit Todesschwadronen Jagd auf die Ex-Bündnispartner. Weder wurden die Opfer der Diktatur rehabilitiert, noch die Täter bestraft oder die Apparate gesäubert. Ein wesentliches Ziel des Putschs.
Die Sozialisten, seit mehr als drei Jahren erneut im Amt, schlagen sich weiter mit den Altlasten und der Angst vor den Postfaschisten herum. Keines der wichtigen Themen für das Land, die Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit oder die historischen Konflikte mit Katalonien oder dem Baskenland sind angegangen worden. Den Friedensprozess haben sie an die Wand gefahren, weil sie aus Angst vor der PP die Vorfeldversprechen nicht eingelöst haben (
http://de.indymedia.org/2007/06/183463.shtml). Festnahmen, Folter und Repression haben nie aufgehört (
http://de.indymedia.org/2007/02/167723.shtml),
Parteien werden weiter verboten und sogar eine ganz neue Interpretation
eingeführt, um einen Teil einer Partei verbieten zu können (
http://de.indymedia.org/2007/05/176713.shtml). Den Katalanen wurde ebenfalls mit der Verstümmelung ihrers Autonomiegesetzes vor den Kopf gestoßen, weshalb die PSOE dort bei den Wahlen abgestraft wurde.
http://de.indymedia.org/2006/11/161480.shtml Dass sich die Zensur nun nicht nur gegen baskische Medien, sondern auch zur Verteidigung des Königs gegen Satirezeitschriften
http://de.indymedia.org/2007/07/188941.shtml
eingesetzt wird, bildete kürzlich einen neuen Höhepunkt. Doch der wurde
sogar noch übertroffen, als die Sozis der Ultrarechten die Macht in der
baskischen Region Navarra schenkte (
http://de.indymedia.org/2007/08/191072.shtml). Das alles wird nur dazu führen, dass die Sozis im nächsten Frühjahr abgewählt wird. © Ralf Streck, Donostia den 22.08.2007
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Suspekte Kirche
"Fromme Kriegsspiele"Ausgerechnet die katholischen Kirche in Spanien erweist sich auf nationaler Ebene als ein weiteres Feld für Militarisierung. Dabei ist zu bedenken, dass der Katholizismus in Spanien, insbesondere auch während der Franco-Diktatur eine sehr machtvolle Position innehatte. Allgemein gibt es zig Recherchen über die Verbindungen der katholischen Kirche zu den Kriegstreibern der Welt...
Der kürzlich ernannte Erzbischof von Pamplona, Pérez, ein strategischer Agent Provocateur in Navarra?!...
DURCH ERZBISCHOF PEREZ VERGRÖSSERT SICH DIE KLUFT ZWISCHEN DER BASKISCHEN KIRCHE UND NAVARRA
Die Identifikation des Militär-Erzbischofs (der symbolisch den Rang eines Generals innehat) mit der Armee und den Sicherheitskräften stösst bei den nationalen Sektoren auf Ablehnung und im Bereich der baskischen Kirche auf Argwohn.
Wegen der Resolution der baskischen Regierung gegen die Einmischung der Armee in Euskadi /Baskenland in Ausnahmesituationen, hat der Vatikan in breiter Polemik den 60 jährigen Francisco Pérez zum Militär-Erzibischof ernannt. Er ist damit Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Fernando Sebastián in Pamplona. Die Vernunft des Vatikans hatte zunächst für eine Verzögerung der für Anfang diesen Sommers vorgesehenen Ankündigung dieser Offenbarung gesorgt... denn angesichts eines fehlenden Abkommens zwischen den politischen Formationen zur Bildung einer neuen Teilregierung, wäre die Ernennung von Pérez mit der an Episoden politischer Angespanntheit reichen baskischen Realität in Navarra kollidiert.
Doch die Ankunft des Monseñor Pérez im alten Königreich hat auch so bereits die ersten Ablehnungen geweckt; vor allem in der nationalistischen Gemeinschaft, die in seiner Person mehr einen Militär, - der zudem den symbolischen Rang eines Divisionsgenerals innehat - sieht, den einen Mann im Bischofsgewand. Die Tatsache, dass Pérez fast vier Jahre lang von Kaserne zu Kaserne gereist ist, Detatechemnts (abgesonderte truppenteile) besuchte und tausende Kilometer zurückgelegt hat, um die Präsenz des spanischen Militärs in Afghanistan oder dem Kosovo zu unterstützen, hat in den radikaleren Kreisen alergische Reaktionen ausgelöst. Pérez´ Nähe zum Militär wird ebenso negativ aufgefasst, wie die Lobpreisungen der Armee und Sicherheitskräfte als "Friedenswächter". Obwohl man ihn kaum kennt, hat er bereits einen Grossteil der Bevölkerung gegen sich.
Überdies hat seine Ernennung eine gewisse Unruhe in Bereichen der baskischen Kirche gesät;... vor allem durch seine ersten Worte, mit welchen er seinen Dienst in den Quartieren der Armee als Dienst in einer Diözese definierte (kanonischerweise handelt es sich hierbei um ein persönliches Episkopat). "Die Mission eines Erzbischofs in solchen Termini zu konzipieren, ist ziemlich schockierend", kommentierte ein Analyst und betonte im Weiteren: "Es ist nötig eine Trennungslinie zwischen dem was Armee und was Kirche ist zu ziehen. Ansonsten wird eine gewisse Einheit zwischen Konfession und Nation impliziert und ein gesunder Laizismus erfordert deren Getrenntheit". Tatsächlich handelt es sich hier um ein Amt, das von weiten Kreisen der Kirche als anachronistisch betrachtet wird. "Das ist nicht die beste Lehre für eine laizistische Gesellschaft".
Baskische Bereiche sind jedenfalls alarmiert von der "Normalität", mit der Pérez von seinem pastoralen Dienst bei der Armee gesprochen hat. "Man schätzt, dass er seine spanische Idendität mit aller Macht ausleben wird und rätselt über die Bedeutung der Ernennung im Hinblick auf seine Beziehung zu den Bischöfen des Baskenlands. Mit Sicherheit, so heisst es, wird sich die bereits existierende Kluft vertiefen. Eine Zusammenarbeit war nur minimal möglich", so ein Beobachter. "Von daher wird dies nichts mit der vorhergegangenen Etappe in Sebastián, der Cirarda -Epoche, gemein haben. Eher im Gegenteil.
Wer diese Entscheidung getroffen hat, kann nicht die Beziehungen die Euskadi und der Teil Navarra unterhalten, gekannt haben; ein von lang her gewachsener Disput, der eine ständige Auseinandersetzung nährt, wie jetzt bei der Neubildung der navarrischen Regierung zu sehen war. In jedem Fall handelt es sich um ein bedeutendes Hindernis für die Ambitionen der baskischen Kirche, eine Kirchenprovinz schaffen zu wollen, die Vizcaya, Álava, Guipúzcoa und Navarra umfasst und die vom Heiligen Stuhl wegen der politischen Konnotativen die sie mit sich bringt, stets gebremst worden ist. Wenn diese nicht von der politischen Zivilgesellschaft gelöst wurden, wird es auch die Kirche nicht können, die immer langsamer und bedächtiger war.
Die AnalystInnen sind in diesem Tagen mit Mutmaßungen über die Identifizierung "der Hand" beschäftigt, welche die erzbischöflichen Offenbarungen lenkt. Viele meinen den verlängerten Arm des Erzbischofs von Madrid, Antonio Rouco Varela, zu erkennen, der gleichzeitiges Mitglied des römischen Dicasterio ist, das die Ernennungen vorschlägt. Im Fall von Francisco Pérez existiert eine Gemeinsamkeit mit dem gallicischen Kardenal: Er war Mitbegründer des Seminars der madrider Diözese und leitete den Lehrstuhl an der Technologischen Fakultät in San Dámaso, in der Rouco als Kanzleioberhaupt fungiert.
Die Wohlgesonnensten assoziieren die Ernennung mit dessen Verantwortlichkeit für die päpstlichen Missionsarbeiten. Seit der Missionspatron San Francisco Javier seine Spuren hinterliess, ist Navarra Evangelisierungsgebiet. Aber die Baskischsten sind davon überzeugt, dass die Versetzung von Francisco Pérez nach Pamplona das "Werk" von Rouco ist, der anstrebt, einen "spanischen Keil" in das baskisch-navarrische Hinterland zu treiben und seinen Einfluss auf dem gesamten Territorium auszuweiten. Für den politischsten Bereich der Kirche ist die hefige, kastilische Bewegung des Francisco Pérez ein "Irrtum" der Apostholischen Nunciatura des Vatikans, "der es an einer realistischen Vorstellung mangelt".
" Pérez ist kein Ultra"
Diese Interpretation ist in anderen Bereichen der Kirche, in welchen zwar auch gebilligt wird, dass die erzbischöfliche Entscheidung «nicht viel her gibt», trotz allem "um zwei Ecken gedacht": "Monseñor Pérez hat den Ruf vernünftig zu sein und es besteht kein Grund zu einer übereilten Besorgnis aufgrund eines politischen Katholizismus".
Diario El Correo
http://www.nodo50.org/tortuga/article.php3?id_article=6364 Zur historischen politischen Rolle der katholischen Kirche in Spanien, siehe:
http://www.bornpower.de/opus/1.html Für Spanischsprechende:
http://usuarios.lycos.es/euroim/hundim.htm Die Macht des Opus Dei
Le Monde Diplomatique, Número12, Septiembre 2001
http://argentina.indymedia.org/news/2004/11/240777.php 