KriegsgegnerInnen in Israel kriminalisiert
Nicht die Beratung von Kriegsdienstverweigerern ist kriminell, sondern vielmehr, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht anzuerkennen. Das in Israel der gewaltfreie Widerstand zB. der Anarchists against the wall (aatw) und vieler anderer KriegsgegnerInnen durch die staatlichen Unsicherheitsorgane derzeit aktiv bekämpft wird, belegt folgende Mitteilung des Vorstandes der War Resisters' International, vom 28. April 2009
"Am 26. April 2009 wurden fünf Mitglieder der
israelischen Sektion der WRI New Profile von der israelischen Polizei
festgenommen, ihre Wohnungen wurden durchsucht und ihre Computer und
die ihrer Partner/innen beschlagnahmt. Unter den Festgenommenen war
auch Sergej Sandler, Mitglied des Internationalen Rates und des
Vorstandes der WRI. Alle Festgenommenen wurden in der Ramat Hachiyal
Polizeistation im Yarkon Bezirk der Polizei verhört. Nach dem Verhör
wurden alle fünf entlassen, aber nur nachdem sie den
Kautionsbedingungen zustimmten, während der nächsten 30 Tage keinen
Kontakt zueinander aufzunehmen. Die Computer der Partner/innen wurden
zurückgegeben, aber nicht die der Festgenommenen. Andere israelische
Aktivist/en/innen wurden aufgefordert, heute (27. April 2009) in der
derselben Polizeistation zu erscheinen.
Die Polizei begründete dies Vorgehen mit einem Ermittlungsverfahren gegen die website von New Profile (
http://newprofile.org) und Target 21 (
http://target-21.h1.ru/),
eine website in russischer Sprache, wegen Verletzung von Artikel 109
des israelischen Strafrechts, nämlich Anstiftung zur Vermeidung der
Wehrpflicht. Die Ermittlung wurde nach einer Anordung des israelischen
Justizministers Menachem Mazuz im September 2008 eröffnet. Dies folgte
auf die Erklärung „Krieg gegen die Vermeidung der Wehrpflicht“ durch
den Verteidigungsminster Ehud Barak und den Stabschef der IDF
[Israelische Verteidigungsstreitkräfte] Gabi Ashkenazi im Sommer 2008.
New
Profile, vor 10 Jahren gegründet, ist eine israelische feministische
Organisation für die Zivilisierung der israelischen Gesellschaft. Die
Bewegung hat jahrelang vor dem ungewöhnlich großen und destruktiven
Einfluss des israelischen Militarismus auf das zivile Leben gewarnt und
gibt jungen Menschen, die keinen Militärdienst leisten wollen, ob aus
politischen oder persönlichen Gründen, Rechtsberatung und soziale
Unterstützung. New Profile informiert über verschiedene Möglichkeiten
für junge Männer und Frauen, eine bewusste Entscheidung zu treffen,
aber tritt nicht für eine bestimmte Handlungsweise ein.
Da New
Profile jetzt Ziel einer strafrechtlichen Untersuchung ist, um die
Organisation und ihre website wegen Anstiftung zur Vermeidung der
Wehrpflicht dichtzumachen, muss darauf hingewiesen werden, dass nicht
New Profile, sondern der Staat Israel Internationales Recht verletzt,
indem er nicht das Recht auf Kriegsdienstverweigerung garantiert
(Artikel 18 des Internationalen Abkommens über zivile und politische
Rechte). Dies ist wiederholt von mehreren Körperschaften der Vereinten
Nationen erklärt worden [1].
Wenn die israelische Regierung
über die Ablehnung des Militärdienstes durch israelische Jugendliche
besorgt ist, dann sollte sie nicht diejenigen verfolgen, die guten Rat
geben, sondern vielmehr die wachsende Ablehnung gegenüber der Rolle
anerkennen, die die israelischen Verteidigungstreitkräfte spielen, –
die nämlich kriminelle Methoden benutzen, um eine Besetzung
aufrechtzuerhalten, die selbst illegal ist.
Die War Resisters'
International verurteilt entschieden die gegenwärtigen Ermittlungen
gegen ihre Sektion New Profile und die Festnahme von New Profile
Aktivist/en/innen. Sie verurteilt entschieden die Kautionsbedingungen,
die ihnen bei der Entlassung auferlegt worden sind, die die wichtige
Arbeit von New Profile zerschlagen sollen.
Die War Resisters'
International fordert ein Ende der Ermittlungen gegen New Profile und
ihre Aktivist/en/innen, die Aufhebung aller Kautionsbedingungen und die
Rückgabe des gesamten beschlagnahmten Eigentums.
Die War
Resisters' International fordert besorgte Bürger/innen, wo immer sie
auch sein mögen, auf, Protestschreiben zu senden an:
Menachem Mazuz
Attorney General
29, Saladin Street
Jerusalem 91010
Fax: +972-2-6467001; Tel: +972-2-6466522
Email:
menim@justice.gov.il
(Ein email Protestschreiben kann geschickt werden an:
http://wri-irg.org/node/7449)
[1]
I.e. Human Rights Committee: Concluding observations of the Human
Rights Committee: Israel. 21/08/2003. CCPR/CO/78/ISR. (Concluding
Observations/Comments),
http://www.unhchr.ch/tbs/doc.nsf/(Symbol)/CCPR.CO.78.ISR.En?Opendocument; Working Group on Arbitrary Detention: OPINION No. 24/2003 (ISRAEL), 28 November 2003,
http://wri-irg.org/node/6481 "
Gerade in Israel wäre Vorraussetzung für Frieden, Gewaltfreiheit zu fördern.
Daß
dies nicht die Mehrheit der israelischen Bevölkerung erreichen kann,
liegt auch an den staatlichen Repressionen gegen israelische
KriegsgegnerInnen.
