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Köln Kalk: Aus Trauer wird Wut.

by fdaadmin last modified 2008-01-24 17:12

Gedenken an Salih wandelt sich zu Protest gegen Rassismus. - Nachdem vergangenen Freitag der 18 jährige Salih in einer Messerstecherei auf der Kalker Hauptstrasse in Köln zu Tode gekommen war, demonstrieren täglich mehrere Hundert Kalker Jugendliche in Andenken an Salih, für Gerechtigkeit, Wahrheit und gegen Rassismus.



Salih soll einen weißen, zunächst als Deutschen bezeichneten, jungen Mann
angegriffen haben. Dieser habe sich mit einem Messer verteidigt und dabei Salih ins
Herz getroffen. Die Staatsanwaltschaft erklärte bereits Samstag Mittag, dass es sich
um Notwehr gehandelt habe. Das veranlasste die Angehörigen und FreundInnen von
Salih zu der Frage, ob dieses Ergebnis genauso schnell zustande gekommen wäre, wenn
der Tote ein Weißer und der Messerstecher marokkanischer Herkunft gewesen wäre. Der
Version von Staatsanwaltschaft und Polizei schenken die Jugendlichen keinen Glauben,
kennen sie doch die rassistische Ungleichbehandlung durch deutsche Behörden aus
eigener, täglicher Erfahrung.
Vor dem Hintergrund der CDU Wahlkampagne, der Hetze um die Vorfälle in München und
der allgemeinen rassistischen Stimmungsmache brachten die Ereignisse in Kalk das
Fass zum Überlaufen.

Mittlerweile ist klar, dass der Messerstecher selbst migrantischen Hintergrund hat.
Die Frage, was tatsächlich Freitag Abend auf der Kalker Hauptstrasse passiert ist,
rückt aber mehr und mehr in den Hintergrund.
Stattdessen artikuliert sich auf den Demos der Unmut gegen den deutschen
Alltagsrassismus, die Perspektivlosigkeit und der Frust, in heruntergekommenen,
gewalttätigen Verhältnissen leben zu müssen. Die Jugendlichen, die meisten
DemonstrantInnen sind zwischen 10 und 25 Jahre alt, haben ihre Situation ziemlich
klar. Sie wollen keine Verschlechterung in Richtung französischer Banlieus, sondern
fordern Gerechtigkeit, eine Perspektive, ein besseres Zusammenleben, erklärtermaßen
unabhängig von Religion oder Staatsangehörigkeit. Nicht nur für Salih, sondern für
alle, die wie er so sinnlos gestorben sind und noch sterben werden, gingen sie auf
die Strasse, damit das aufhört, damit sowas nicht nochmal passiert.
Die Strategie der Polizei ist nicht klar erkennbar. Am Dienstag noch haben sie sich
mit einer Hundertschaft ziemlich zurückgehalten und nur einzelne Strassen gesperrt.
Am Mittwoch(gestern) bereits waren es mindestens zwei wenn nicht drei
Hundertschaften, die auch wesentlich stärker Präsenz gezeigt und sich viel
bedrohlicher und näher aufgebaut haben.
Die Dynamik der Proteste ist unvorhersehbar, es gibt bisher keine klaren politischen
Forderungen, die Artikulation ist ziemlich wirr. Zwischen "Allahu akbar"- (Gott ist
groß) und "Wir wollen Gerechtigkeit!" - Rufen gibt es immer wieder spontane Reden
über Rassismuserfahrungen, soziale Stigmatisierung und verschwommene Forderungen
nach einer "besseren Zukunft für unsere Jugend". Viele haben die Nase gestrichen
voll davon, immer nur als die Bösen dazustehen ohne dass sich jemand sonst für ihre
Lage interessieren würde. Ein mitgebrachtes Transparent "Widerstand gegen soziale
Ausgrenzung und Rassismus. Kein Mensch ist illegal", das eigentlich nur als
Seitentranspi gedacht war, wurde mit Begeisterung aufgenommen und dann als
Fronttranspi übernommen.
Bei Zwischenstops während der Demo, bei denen sich alle auf den Boden setzen, können
alle, die wollen, spontane Reden halten, was auch zahlreich getan wird.
Die Kölner Presse will das ganze mal wieder nicht verstehen und schreibt nach wie
vor hauptsächlich dumme, wenn nicht hetzerische und rassistische Artikel zu der
ganzen Angelegenheit.
Was aus dieser kleinen Bewegung von 300-500 Kalker Jugendlichen wird, ist ungewiss
und wird sicherlich auch davon abhängen, ob sie konkretere Forderungen aufstellen
können, wie die Solidarisierung seitens der restlichen Kalker und Kölner Bevölkerung
ausfällt und ob sie sich längerfristig für ihre Belange organisieren.
Bisher ist alles sehr friedlich und diszipliniert verlaufen. Randale und
Rachegelüste werden immer wieder ausdrücklich verurteilt. Hoffentlich bleibt das so,
denn im Fall einer Eskalation mit bundesweiten Schlagzeilen haben die Kalker
Jugendlichen alles zu verlieren und der Oberrassist Koch einen Wahlkampf gewonnen.

Die Jugendlichen wollen sich auf unbestimmte Zeit weiter jeden Abend um 18h am
Tatort Kalker Hauptstrasse Ecke Josephskirchstrasse versammeln um Salih zu gedenken
und ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.

Kommt vorbei, solidarisiert Euch, diskutiert mit den Leuten, knüpft Kontakte, bringt
Euch ein. Es ist den ihnen total wichtig, dass da nicht nur "Schwarzköpfe"
(Eigenbezeichnung) sind, sondern auch "Weiße" mitmachen.

Gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung.
Schluss mit der rassistischen Hetze gegen "kriminelle ausländische Jugendliche".
Für ein solidarisches Kalk.

Einige Linke aus Köln Kalk.

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