Antifa-Prozess in Düsseldorf
Es ist so weit, am 15.08., 22.08. und 30.08.2007 findet vor dem Landgericht Düsseldorf der Prozess gegen zwei Antifaschisten (u.a. ein FAU-Mitglied) in zweiter Instanz statt.
Zum Hintergrund:
Am 16.09.2000 fand in Düsseldorf
eine Kundgebung mit dem Titel: "Mut gegen Rechts" statt. Neben dem
"Düsseldorfer Appell" und der jüdischen Gemeinde riefen auch einige
DGB-Gewerkschaften, usw. usf. zu dieser Kundgebung auf. Schon im
Vorfeld machten die OrganisatorInnen deutlich das es Ihnen im Gegensatz
zu dem auf den Werbematerialien propagierten "Mut gegen Rechts" einzig
und allein um den Standort Deutschland zu tun war. Wie sonnst ist zu
erklären das der Düsseldorfer Appell ausgerechnet den Oberbürgermeister
Joachim Erwin (CDU) für diese Kundgebung als Redner gewinnen wollte?
Wie dem auch sei. Die Reden von Marlies Smeets (SPD, Ex-Bürgermeisterin
von Düsseldorf) und anderen machte sehr schnell deutlich das sich die
"Avantgarde" des >Düsseldorfer staatlichen Antifaschismus der
Mitte< nicht gegen die von ihnen selbst zu verantwortende
menschenfeindliche Politik und Abschiebepraxis richten möchte, sondern
"gegen den Radikalismus". Die nun geforderte Aufrüstung staatlicher
Befügnisse im Bereich der Repressionsmaßnahmen, wird all diejenigen
treffen die in guter liberaler Tradition die BürgerInnenrechte
geschützt wissen wollen und all diejenigen die in guter humanistischer
Tradition Ausbeutung und Unterdrückung hier und anderswo bekämpfen.
Aber wir wollen nicht einfach nur über die OrganisatorInnen dieser
Veranstaltung "herziehen". Es gilt auch Kritik an den KonsumentInnen
dieser Veranstaltung zu üben. Einzig der anwesende Antifa-KoK und die
TERZ schafften es mittels einer neuerlichen Sonderausgabe zum Thema
Rechtsextremismus und einem Transparent (Nazis morden, der Staat
schiebt ab - das ist das gleiche Rassistenpack) die KonsumentInnenrolle
zu verlassen und tatsächlich "Mut gegen Rechts" zu beweisen.
Die
anwesenden AnarchistInnen unterstützten frei nach Erich Mühsam's
Gedicht "Streit und Kampf" die AntifaschistInnen natürlich nach kräften.
Darum: solang kein Feind euch droht,
verschont einander nicht mit Glossen.
Doch weckt euch einst der Ruf der Not,
dann weh das einige Banner schwarz und rot
voran den einigen Genossen !
Leider
tauchten auf der ansonnsten bis zur Langeweile ruhigen Kundgebung eine
ganze Reihe von FaschistInnen auf, und machten damit ihre Drohung, die
Kundgebung zu stören war. Von den Anwesenden "Mutigen gegen Rechts"
unerkannt mischten sie sich eben unter jene. Der Staatschutz, der immer
ganz gut weiß was "die Linken" so treiben, war nach eigener Auskunft
von der Anwesenheit der FaschistInnen überrascht. Was nicht ganz
stimmt, denn die Veranstlter hatten Tags zuvor noch mit der Polizei
über das befürchtete auftauchen der FaschistInnen gesprochen. Immerhin
hatten diese {die FaschsitInnen} offen erklärt kommen zu wollen.
Außerdem haben die anwesenden Staatschützer als auch Beamte anderer
Einheiten erklärt das sie die Nazis durchaus als solche erkannt haben!
Warum sie die Nazis dann doch auf den Kundgebungsplatz gelassen haben
bleibt wohl das Geheimnis der Polizei und der Phantasie der geneigten
LeserInnenschaft überlassen. Anwesend waren unter anderem Mitglieder
der REPs und des "Jugendoppositionsstammtisches" wie zum Beispiel
Torsten Lemmer und Jan Zobel. Die "freien Kameradschafter" Udo Birr,
Jörg Wagner und Marco Schirmer. Außerdem wurde noch Elke Assman auf der
Kundgebung gesichtet. Sie beobachteten unsere bürgerlichen HeldInnen
"gegen Rechts". Aber beim Beobachten alleine sollte es nicht bleiben.
Unter der Führung von Jörg Wagner, Udo Birr und Marco Schirmer (alle
"Kameradschaft Düsseldorf) griffen einige Faschisten die
TeilnehmerInnen der Kundgebung an. Jörg Wagner tat sich dabei besonders
mit dem sprühen von Reizgas hervor. Mitlerweile ist Jörg Wagner auch
wegen verstosses gegen das Versammlungsgesetzt zu einer Geldstrafe
verurteilt. Warum die Staatsanwaltschaft nicht wegen gemeinschaftlicher
und/oder gefährlicher Körperverletzung gegen ihn und die anderen
ermittelt hat (und das obwohl es Zeugenaussagen durch Polizeibeamte
gibt die gesehen haben wollen wie J. Wagner die Kundgebung mit Reizgas
angegriffen hat) wird ebenso das Geheimnis der Staatsmacht und der
Phantasie der LeserInnenschaft überlassen bleiben müssen.
TeilnehmerInnen der Kundgebung stoppten die Neonazis daraufhin und
verhinderten so weitere Angriffe. Die erst jetzt eingreifende Polizei
zeigte sich überrascht und völlig planlos: Sie behandelte die Situation
wie eine gewöhnliche Altstadtschlägerei und sorgte durch ihr Eingreifen
dafür, daß mehrere Neonazis, darunter auch der Betreiber des
"Nationalen Infotelefons", Marco Schirmer, entkommenkonnten. Nur zwei
der Täter (Wagner, Birr) wurden festgenommen. Udo Birr wurde sogar erst
nach Hinweisen von Kundgebungsteilnehmern, die ihn aufgrund eines in
der "Stattzeitung TERZ" veröffentlichten Fotos wiedererkannt hatten, in
einer Altstadtkneipe gestellt. Insgesamt wurden an diesem Tag fünf
Menschen kurzzeitig verhaftet, in gewahrsam genommen bzw. ihre
Personalien festgestellt. Unter den fünf vorübergehend festgenommenen
Personen befanden sich drei TeilnehmerInnen der Kundgebung. Alle drei
erlitten bei den brutalen Festnahmen Verletzungen. Besonders perfide
ist jedoch die Tatsache das die drei vorübergehend festgenommenen
Personen zum Teil zusammen mit den Faschisten in einem Wagen gesperrt
werden sollten. Dies konnte jedoch verhindert werden.
In der
Folge kam es zu einem Prozess, bei dem drei Düsseldorfer Antifaschisten
angeklagt wurden. Einer nahm ein Angebot zur Einstellung gegen eine
Geldstrafe an. Frank Laubenburg (PDS) und Ich weigerten uns jedoch
einen Deal mit der Staatsanwaltschaft an zu nehmen. Insgesamt wurden
drei (!) Anläufe gebraucht um den Prozess gegen uns in erster Instanz
zu führen. Das Ergebnis waren Verurteilungen zu Geldstrafen. Dagegen
legten wir Widerspruch ein und nach langem warten ist es nun so weit,
der Prozeß wird in der nächst höheren Instanz nun noch einmal von neuem
aufgerollt.
Landgericht Düsseldorf, Neubrückstr. 3, Düsseldorf
15.08. um 9.30 Uhr, Saal L 103
22.08. um 9.30 Uhr, Saal L 103
30.08. um 9.30 Uhr, Saal L 115
Neben
der finanziellen Belastung ist das ganze besonders auch eine psychische
Belastung, die zu ertragen den Angeklagten leichter fällt wenn der
Gerichtssaal mit bekannten Personen und freundlichen Gesichtern
angefüllt ist.