Berichte vom Globalen Aktionstag gegen Starbucks
In rund 20 Ländern rund um den Globus haben am 5. Juli GewerkschafterInnen und soziale AktivistInnen auf unterschiedlichste Weise gegen die gewerkschaftsfeindliche Praxis des Kaffeehaus-Multis Starbucks protestiert. Im Mittelpunkt standen dabei die Beschäftigten und KundInnen des Konzerns. Unmittelbarer Anlass für den Globalen Aktionstag war die Entlassung des CNT-Mitglieds Monica in Sevilla und die von Cole, einem Mitglied der Starbucks Workers Union der IWW in Grand Rapids, Michigan, USA. Wir Berichten über die vielfältigen Aktionen in der BRD - die hat sich FAU in 15 Städten am Aktionstag beteiligt - und weltweit. "Ein Angriff auf eine von uns ist ein Angriff auf alle!"
Polen: Protesttag mit Aktion in Wroclaw eröffnet
Im polnischen Wroclaw haben bereits am 1. Juli Mitglieder unserer Schwestergewerkschaft ZSP Flugblätter am Firmensitz von Amrest
verteilt. Derzeit gibt es noch keine Starbucks-Filialen in Polen,
allerdings will Amrest in Kürze die Marke dort einführen. Die zur
berüchtigten Yum! Gruppe gehörende Firma betreibt in Polen bereits
andere Systemgastronomie-Ketten wie KFC, Burger King und Pizza Hut.
Laure Akai von der ZSP schreibt dazu „Es sieht so aus, als gäbe es
einiges Potential für eine gewerkschaftliche Organisierung, bevor
Starbucks überhaupt erst richtig eröffnet hat.“
BRD: Aachen
Gute Aktion. Wir haben mit 6 Leuten Flugblätter verteilt und einige
Liter Solikaffee gratis an interessierte PassantInnen abgegeben.
Mehrere Beschäftigte haben Sympathie bekundet; wir haben viele
interessante Gespräche geführt.
BRD: Frankfurt/Main
In Frankfurt haben wir fünf Starbucks Filialen besucht, Flugblätter
verteilt und Gespräche geführt. Vor drei Läden wurden Kundgebungen mit
Megafonen abgehalten. Es gab jeweils einen Redebeitrag zur aktuellen
Situation auf deutsch und spanisch, bei der Kundgebung auf der Freßgass
hatten wir dabei einige hundert ZuhörerInnen in den umliegenden
Straßencafes.
Am Nachmittag gibt es noch einen Stand auf dem Rödelheimer Parkfest.
BRD: Hamburg
Knapp ein Dutzend FAU-GenossInnen haben innerhalb einer Stunde die fünf
Starbucks-Filialen um das Rathaus im Stadtkern besucht und Flugblätter
verteilt und ein Transparent entfaltet.

Schweiz: Zug
Mitglieder der Gruppe «Systembruch» haben heute Flugblätter
an Gäste und ArbeiterInnen bei Starbucks sowie an Passanten verteilt.
Viele zeigten sich interessiert, vielleicht gerade auch weil Starbucks
letzte Woche mit den geplanten 12'000 Entlassungen bereits in den
Medien war. Wir solidarisieren uns mit den bedrohten und gefeuerten
ArbeiterInnen. Ein Angriff auf eine von uns ist ein Angriff auf alle!
Australien: Melbourne
Zwanzig Leute aus unterschiedlichen Gruppen, darunter der IWW, der ASF
(Anarcho-Syndicalist Federation), Melbourne Anarchist Club, Union
Solidarity und andere versammelten sich vor dem lokalen Starbucks um
ihre Solidarität mit den gefeuerten ArbeiterInnen zu zeigen und das
Recht der ArbeiterInnen sich zu organisieren zu verlangen. Die Aktion
dauerte eineinhalb Stunden, fast niemand ging in den Laden. Es war eine
Menge Polizei anwesend, die von Starbucks mit Gratis-Kaffee versorgt
wurde, dennoch blieb alles friedlich.

BRD: Duisburg
In Duisburg hat sich die lokale FAU-Gruppe um 9.30 getroffen, um gegen
11.00 Uhr mit Unterstützung aus Krefeld und Düsseldorf auf der
Königstraße einen kleinen Stand aufzubauen und das Transpi zu
entrollen. Unsere Aktion, an der sich rund 15 Leute beteiligt haben,
war ein voller Erfolg: Wir hatten zu vielen Leuten Kontakt, die mehr
über die Politik bei Starbucks wissen wollten und ähnlich wie eine
ältere Passantin reagierten, die meinte „Ich fand die (Starbucks) schon
immer doof, jetzt weiß ich endlich, warum!“. Um 15.00 haben wir dann
eingepackt, um 500 Flyer ärmer und um etliche Zusprüche reicher. Eine
Frau, deren Freund unter einer seltsamen Begründung kürzlich in einem
nahe gelegenen Starbucks gefeuert wurde, hat sich gleich für unser
öffentliches Treffen angekündigt.
BRD: Braunschweig
Die Ortsgruppe Braunschweig der FAU hat mit 7 Leuten in und vor der
Starbucksfiliale im hiesigen ECE-Center Flyer verteilt. Von Beginn an
wurden die in der Filiale ausgelegten Zettel vom Personal eingesammelt,
aber von uns wieder zurückgeholt. Nachdem wir ca. 35 Minuten vor der
Filiale an die Passanten und die Besucher von Starbucks verteilt
hatten, kam das Sicherheitspersonal des ECE-Centers und erteilte uns
ein Hausverbot. Im weiteren Verlauf kam es dann vor dem ECE-Center noch
zu einigen interessanten Gesprächen mit Starbucks-MitarbeiterInnen, von
denen einige bereits im Vorfeld etwas vom Aktionstag gehört hatten.
BRD: Düsseldorf
Aktionen bei sieben Starbucks in der Düsseldorfer City.
Mit insgesamt 12 Filialen gehört Düsseldorf in Deutschland zu den Top 3
der „Starbucks-Citys“. Gegen 16.00 Uhr machten wir uns auf den Weg die
sieben Filialen der Innenstadt zu besuchen. Die Reaktionen der
ArbeiterInnen reichten von ehrlichem Interesse, über echte oder
gespielte Gleichgültigkeit bis hin zu offener oder gespielter
Feindschaft. Die KundInnen hingegen waren in aller Regel offener und
interessierter. Viele lasen, beim „Genuss“ ihres Kaffees, das
Flugblatt. Einige hätten gerne spontan mehr erfahren. Leider kamen
einem Info-Gespräch immer die Filialleiter in die Quere. Ihr Hausrecht
ausnutzend, verwiesen sie uns kurzer Hand vor die Tür. Aber da war es
immer schon zu spät – die Flugblätter waren an ArbeiterInnen und
KundInnen verteilt. Unser Flugblatt zeichnete sich im übrigens dadurch
aus, das es, neben den Hintergrundinformationen, sowohl für
ArbeiterInnen als auch KundInnen konkrete Handlungsanweisungen
enthielt, wie sie den Widerstand konkret unterstützen können.
BRD: München
Mitglieder des Bildungssyndikates der FAU München haben fünf Filialen
von Starbucks in der gesamten Münchener Innenstadt besucht. Sie
verteilten sowohl Flugblätter in den Filialen an die Beschäftigten und
die KundInnen als auch außerhalb, wo wegen des schönen Wetters viele
KundInnen saßen. Es gab ausschließlich positive Reaktionen, vor allem
innerhalb der größtenteils international zusammengesetzten Kundschaft.
Viele waren empört über die Missstände bei starbucks und zeigten
Verständnis für den Protest. Vorsichtiger waren meist die Baristas, die
bei Nachfragen zu den eigenen Arbeitsbedingungen meistens schnell an
die GeschäftsführerInnen verwiesen. Für die Münchener FAUistas war der
Aktionstag ein sehr positives Erlebnis, an dem sie sich jederzeit
wieder beteiligen würden.
Belfast
Organise! und die WSM verteilten von 12.00 bis 13.00 Uhr Flugblätter
vor dem Starbucks im Zentrum von Belfast. Trotz des miserablen Wetters
beteiligten sich ein Dutzend Leute an der Aktion. Zu Beginn gingen drei
von ihnen in den Starbucks und verteilten dort an die Beschäftigten und
KundInnen. Die Reaktion auf die Aktion war sehr positiv, auch wenn eine
Person fälschlicher Weise beschuldigt wurde, ein Mitglied der
Belegschaft angegriffen zu haben.

BRD: Wuppertal
Vor der Starbucks-Filiale in Wuppertal-Elberfeld wurden Flugblätter an KundÍnnen und Baristas verteilt.
BRD: Darmstadt
Das Verteilen von Flyern in Darmstadt brachte den dortigen Filialleiter
derart auf die Palme, dass er die Polizei rief und diese aufforderte,
den GenossInnen einen Platzverweis zu erteilen. Solch ein Austand für
„so eine Lapalie“ war den Beamten allerdings sichtbar zu viel, nicht
eben zur Freude des Bosses. Sein Verhalten dürfte mit dazu beigetragen
haben, dass der Starbucks an diesem Tag ziemlich leer blieb.
BRD: Bremen
In Bremen gab es einen Stand der FAU vor der Starbucksfiliale - mit
Transparent, Solikaffee und überraschend guten Gesprächen! Die Resonanz
war sehr gut, viele Leute nahmen unsere Flyer erst, als wir ihnen
sagten, dass wir gegen
Starbucks seien. Gegen Mittag sah sich der Geschäftsführer gezwungen,
seine Kunden mit "Gratiskaffee" bei Laune zu halten. Keine guten
Vorzeichen für die zwei weiteren Starbucks, die in diesem Jahr in
Bremen eröffnet werden sollen.
Österreich: Wien
Die Lokalföderation Wien der «Föderation der ArbeiterInnen Syndikate
(FAS)» hat 8 Filialen der Kaffeehauskette besucht und MitarbeiterInnen
und KundInnen über die gewerkschaftsfeindliche Haltung des Konzerns
informiert. Der Aktion wurde teils mit Rauswurf, teils mit
wohlwollender Zustimmung begegnet. Wobei die FilialleiterInnem, sobald
sie davon Wind bekamen, sich bemühten die Aktion zu stoppen.
Nichtsdestotrotz wurden alle KundInnen informiert. Zum Abschluss trafen
sich die einzelnen Teams bei der am stärksten frequentierten Filiale
auf der Mariahilfer-Straße. Die FAS begrüßt es, dass die CNT und IWW
Seite an Seite gegen die Bosse kämpfen und werden globale Aktionen auch
in Zukunft unterstützen. In Solidarität mit Monica, Cole und allen
Baristas bei Starbucks!

BRD: Bonn
In Bonn verteilten Mitglieder der FAU Bonn, des Anarchosyndikats
Bonn-Köln und andere mehrere hundert Flugblätter vor einem der beiden
örtlichen Starbucks.
BRD: Dortmund
Die FAU Dortmund hat mit vor den beiden Starbucks-Fillialien in der
Dortmunder Innenstadt von 13:00 bis 15:00 Uhr mehr als 400 Flugzettel
verteilt. In der direkten Umgebung haben wir vorher ein paar plakative
DIN-A4-Zettel gut sichtbar plaziert. Wir konnten uns auch mit einigen
Beschäftigten unterhalten, die zumindest kein Problem mit der Aktion zu
haben schienen und zum Teil auch ihr Verständnis ausdückten. Die
Reaktionen der Passanten waren, bis auf wenige Ausnahmen positiv, zum
Teil auch recht interessiert.
USA: Grand Rapids
In Grand Rapids, dem Ort in dem Cole Dorsey, einer der beiden
gefeuerten Baristas, arbeitet war die Aktion sehr erfolgreich, obwohl
der Starbucks-Gebietsleiter, der für die Entlassung von Cole
verantwortlich ist, den Protest beobachtete und versuchte die Baristas
einzuschüchtern. Am Rande standen zwei bis drei Streifenwagen bereit,
deren Besatzungen sich mit dem Gebietsleiter unterhielten. Es waren
viele Leute anwesend, die sich allerlei hatten einfallen lassen, um
ihren Protest auszudrücken. Das Medienecho war beachtlich, aller
größeren TV-Ketten waren vertreten und die Berichte war erstaunlich gut
für die Mainstream-Presse. Über die Aktion gibt es eine Video-Montage.
Großbritannien: London
Mitglieder der «Solidarity Federation» und der IWW London verteilten
Flugblätter bei in der New Oxford Street, einer der größten
Niederlassungen auf der Insel. Die Aktion dauerte rund eine Stunde. In
dieser Zeit ging nur jede zweite in den Laden, nachdem er über die
Praktiken von Starbucks informiert worden war. Zwei potentielle
Besucher schlossen sich sogar kurzerhand dem Protest anschlossen!
BRD: Nürnberg
Die GenossInnen von der Nürnberger FAU-Initiative hatten sich
gleichzeitig drei Starbucks in der Stadt vorgeknöpft. Dabei wurden rund
1.000 Flyer verteilt, für die es viele positive Rückmeldungen und
allgemein großes Interesse gab. Wir haben außerdem erfahren, dass die
Beschäftigten bei Starbucks bereits im Vorfeld informiert worden waren,
dass etwas laufen würde und entsprechende Instruktionen erhalten
hatten. Auf dem anschließenden Südstadtfest wurde noch ein Transparent
ausgehängt.
USA: Philadelphia
Mitglieder der IWW Philadelphia organisierten eine kleine Kundgebung
vor dem Starbucks 9th and South Street. Es wurden Flugblätter verteilt
und Parolen gerufen, darunter z.B. "What’s Disgusting!?-Union Busting"
oder "What’s Outrages?!-Starbucks Wages!" (Was ist zum Kotzen? Die
Löhne bei Starbucks!). Die Managerin drohte damit die Polizei zu rufen,
die ließ sich allerdings nicht blicken. Viele PassantInnen nahmen gerne
die Flyer.

BRD: Stuttgart
Wir haben um die Mittagszeit Flyer verteilt an die draussen sitzenden
Gäste und die Baristas drinnen. In zwei Filialen (Königsstrasse und
Schlossplatz) waren die KollegInnen echt im Stress, so dass kein
Gespräch möglich war. In den anderen beiden Filialen (Hauptbahnhof und
Calwer Str.) positives Interesse der Kollegen. Ansonsten: null Probleme.