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Big Brother!

by fdaadmin last modified 2007-06-19 20:06

Eine Utopie wird Wirklichkeit!

Dokumentation: ARTE-Themenabend "Big Brother is watching you!"

Das Quiz zum Thema


Wir werden alle uberwacht!

Überwachungskameras, Biometrie, unter der Haut eingepflanzte RFID-Mikrochips... George Orwells Zukunftsvisionen sind längst Wirklichkeit geworden. Und nach dem 11. September ist die Bereitschaft der Menschen, im Namen der Sicherheit Beschneidungen ihrer Freiheit hinzunehmen, noch gewachsen.

(Frankreich, 2006, 120mn)
Moderiert von Steffen Seibert
ARTE FRANCE, Produzent: NovaprodARTE F
Wiederholung : 20.06.2007 um 14.40 Uhr


20.40 Uhr
Kontrolle total

(Frankreich, 2006, 53mn)
ARTE F
Regie: Etienne LABROUE

Morgen schon werden alle registriert, erfasst, gechipt und überwacht... Aber was, wenn diese Sicherheit letztlich nur Illusion wäre? Was, wenn die Waffen, die schützen sollen, sich plötzlich gegen ihre Erfinder richteten? Errungenschaften, Schwachstellen, Risiken und Widersprüche einer technologischen Flucht nach vorn.
Ausschnitt sehen (Real Video, 3 Min.)


ARTE F
Heute lässt sich genau nachvollziehen, was ein Internetnutzer im Web macht, zum Beispiel welche Bilder er wann und auf welchem Server herunter lädt. Besuchte Sites, Online-Einkäufe, herunter geladene Dateien, gelesene Artikel und so weiter. Fachleute für neue Technologien ziehen eine beunruhigende Bilanz über die Maßnahmen zur Überwachung des Individuums. Verfolgungs- und Identifizierungstools sind in Mode - von Peking bis Paris und von Tunis bis Berlin. Sehr beliebt sind Viren und Hackerprogramme, die die Kontrolle über PCs, Webcams und Mikrophone übernehmen und zu Hause oder am Arbeitsplatz in die Privatsphäre der Menschen eindringen. Die totale Überwachung ist in der Computerwelt bereits Wirklichkeit - auch wenn es keiner sieht und keiner merkt!
Begegnung mit Pierre Gattaz, dem Vorsitzenden des Verbands der französischen Elektronikindustrie: "In unserer demokratischen Gesellschaft wird Sicherheit oft als Einschränkung der persönlichen Freiheit empfunden. Es muss erreicht werden, dass die Bevölkerung die verwendeten Technologien wie Biometrie, Videoüberwachung und Kontrollen akzeptiert." Biometrische Verfahren kommen in immer mehr Unternehmen und Institutionen zur Anwendung, mitunter ohne Genehmigung der Datenschutzbehörde. Der Film zeigt Beispiele in einem Krankenhaus, einer Schule und einer Stadtverwaltung. Die Gewerkschaften sprechen von "Bespitzelung" und weisen auf neue Krankheiten durch Stress und ständige Überwachung hin. Auch die Fehlbarkeit biometrischer Technologien und die Risiken des Datendiebstahls sind Thema. Ein Mensch kann sein Passwort ändern, nicht aber seinen Fingerabdruck, seinen Netzhautabdruck oder seine DNA. Dies machen Hacker sich für eigene Zwecke oder im Dienste von kriminellen Organisationen zu Nutze. Die neuen Technologien bergen neue Risiken.
In den Vereinigten Staaten engagiert sich Katherine Albrecht gegen die Identifizierung über Radiowellen (Radio Frequency Identification, RFID). Sie warnt vor einer Beschränkung der individuellen Freiheit unter dem Druck der Industrie: Die Hersteller, so Albrecht, wollen in jedes Produkt einen Mikrochip einsetzen, um genau feststellen zu können, wer wann und wo welche Produkte kauft. Hierdurch informieren sie sich unbemerkt über die Konsumgewohnheiten des Verbrauchers. Die RFID-Revolution ist in vollem Gange, und Mikrochips sind in unserem Alltag, in Forschungszentren und Krankenhäusern bereits allgegenwärtig. In Europa und Amerika wurde sogar bereits damit begonnen, Mikrochips in den menschlichen Körper einzupflanzen. Die Dokumentation zeigt erstmals, wie ein implantierter Chip entfernt wird. Anschließend führt sie nach Mexiko, das auf dem Gebiet der Chipimplantate eine ähnliche Vorreiterrolle spielt wie London bei der Videoüberwachung. Allein in Mexico City haben rund 1.000 Personen ein Implantat, zumeist aus medizinischen Gründen. Ein Fachmann für Geolokalisierung spricht über zukünftige Anwendungen, bei denen durch Kombination des RFID-Chips mit einem GPS-Sender der gechipte Gegenstand oder Mensch in Echtzeit geortet werden kann. Entführungen erleben in Mexiko einen solchen Boom, dass manche Unternehmen ihren Angestellten kostenlose Geolokalisierungssysteme anbieten.
Der Film stellt die Frage, welchen Preis wir für eine möglicherweise trügerische Sicherheit zu zahlen bereit sind. Jede der neuen Technologien mag für sich gesehen beherrschbar erscheinen, doch wie wird die Gesellschaft in 10 oder 15 Jahren aussehen, wenn all diese Systeme geballt zum Einsatz kommen?


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21.35 Uhr
widerstand.com

(Frankreich, 2006, 28mn)
ARTE F
Regie: David Carr-Brown
Autor: Xavier Muntz, Bruno Fay
Produzent: Novaprod Owl

Überall in der Welt werden heute Stimmen laut, die vor einer Einschränkung der persönlichen Freiheit des Menschen durch moderne Überwachungstechnologien warnen. Globalisierungsgegner, Anarchisten mit Hang zu zivilem Ungehorsam und fortschrittsfeindliche Ex-Hippies treten hier ebenso in Erscheinung wie begabte junge Hacker und Menschen, die an eine weltweite Verschwörung glauben. Sie alle vereint der Kampf gegen Verfolgungs- und Registrierungstools. Verantwortungsbewusste Bürgerinitiativen setzen sich zur Wehr!



ARTE F
In Paris steht der Verein "Souriez vous êtes filmés" ("Bitte lächeln, Sie werden gefilmt") all denjenigen offen, die die technologische Entwicklung zum Überwachungsstaat aufhalten wollen. Der Verein fordert die Entfernung von Überwachungskameras. Im Film werden Aktivisten beim Abdecken von Kameras gezeigt.
Ebenfalls in Paris zeugen die "Big Brother Awards" von ähnlichem Widerstandsgeist: Alljährlich werden fünf Preise an Personen oder Unternehmen verliehen, die für besonders gravierende Eingriffe in die Freiheitsrechte verantwortlich sind. Jean Marc Manach, einer der Organisatoren der Zeremonie, spricht über die Entstehung der Bewegung und stellt seine Mitstreiter vor.
Die Mitglieder der Berliner Gruppe "Quintessenz" bezeichnen sich selbst als "Hacktivisten". Sie zeigen, wie man sich in ein Videoüberwachungssystem der Polizei einhacken und ein ganzes Kameranetz lahm legen kann. Mit einem Satellitenempfänger fangen sie Kamerabilder ab. Warum tun sie das? Um "Big Brother" keine Chance zu lassen.
In Berlin befindet sich auch der "Chaos Computer Club", das bekannteste Netzwerk "harmloser" Hacker. Im Januar 2006 lüfteten sie das Herstellungsgeheimnis des ersten "RFID-Killers", genannt RFID-ZAPPER. Jeder kann fortan ganz einfach ein kleines Gerät herstellen, das durch ein elektromagnetisches Feld Mikrochips zerstört. Nach Auffassung der Clubmitglieder werden RFID-Tags in unserem Leben bald allgegenwärtig sein. Es war daher höchste Zeit, ein Verfahren zur Ausschaltung dieser "Spione" zu entwickeln.
In Los Angeles wurde Ian Clarke bereits als genialer Erfinder von "Freenet" zur Legende: Es handelt sich um eine 100 % verschlüsselte und vollständig anonyme Alternative zum Internet. Obwohl es noch recht wenig bekannt ist, soll dieses "Darknet" bereits zwei Millionen Nutzer angezogen haben. Der gebürtige Ire Ian Clarke, ein Fachmann für künstliche Intelligenz, tritt vor allem gegen die Kontrolle des Internets ein: "Eine Demokratie stützt sich auf ihre Wähler, um die Regierung zu legitimieren. Doch wenn die Regierungen kontrollieren können, welche Informationen die Wähler erreichen, dann wird die Demokratie verfälscht. Auf Freenet findet man z.B. Freesites von chinesischen Regimegegnern, geheime Handelsabkommen der Scientology-Kirche, Enthüllungen über das elektronische Wahlsystem Diebold in den Vereinigten Staaten usw." Im Hintergrund überwachen Dutzende Riesenantennen wie gigantische Ohren pausenlos den E-Mail-Verkehr in der ganzen Welt.
Der Film zeigt Beispiele für individuellen und kollektiven Widerstand, wobei jeweils eine besonders charakteristische Aktion oder Kampagne im Vordergrund steht."Resistant.Com" versteht sich als filmisches Manifest und stellt sich bewusst auf die Seite der Opponenten. Auch in der Machart des Films kommt der Kampf gegen die allgegenwärtige Überwachungsmacht zum Ausdruck. Die Regieführung macht deutlich, dass die Aktivisten gewollt im "Untergrund" operieren. Kontrapunktisch dazu stehen die wie Laborversuche anmutenden nachgestellten Widerstandsaktionen.


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22.05 Uhr
Big Brother City

(Frankreich, 2006, 27mn)
ARTE F
Regie: David Carr-Brown
Autor: Xavier Muntz, Bruno Fay
Produzent: Novaprod Owl

Nirgendwo auf der Welt werden die Bürger so gut überwacht wie in Großbritannien: Hier gibt es 4 Millionen Videokameras, d.h. eine Kamera für 14 Einwohner! Duncan Campbell, freier Journalist und Verfasser des Berichts über das Abhörsystem "Echelon" für das Europäische Parlament, zeigt die Orwellsche Dimension der britischen Hauptstadt, die eine wahre Versuchsküche für "Big Brother" geworden ist.


ARTE F
In London, so Duncan Campbell, herrschen science-fiction-artige Zustände, die sogar Orwells Phantasie noch übertreffen. Überall überwachen Kameras die als potentielle Kriminelle betrachteten Bürger. Das Erstaunlichste ist, dass die Bevölkerung diesen Zustand schicksalsergeben akzeptiert. Haus und Auto waren bisher die letzten Bastionen der Privatsphäre, doch selbst das soll sich ändern.
Anfang dieses Jahres führt Großbritannien auf dem gesamten Staatsgebiet ein System zur automatischen Nummernschild-Erkennung ANPR ein . "Mit Hilfe eines Netzes von Kameras, die automatisch die Kennzeichen aller vorbeifahrenden Fahrzeuge erfassen, soll eine riesige Datenbank geschaffen werden. Sie gibt Polizei und Sicherheitsdiensten Auskunft über sämtliche Strecken, die ein Fahrer zurückgelegt hat", betont Duncan.
Auch der Markt für Hausüberwachungssysteme boomt in Großbritannien. Der Inhaber eines Fachgeschäfts bekräftigt, dass er 90 % seines Umsatzes im privaten Bereich erzielt. Von der klassischen Überwachungskamera an der Haustür bis zum stecknadelkopfgroßen Hightech-Spion kann man alles kaufen.
Und jeder bespitzelt jeden. Im Londoner Stadtteil Shoreditch zum Beispiel sind die Überwachungskameras über Kabel allen zugänglich. Für 3,50 £ pro Woche können Abonnenten die Bilder von ca. 400 Kameras auf dem heimischen Fernsehgerät empfangen. Die Aktion wurde gestartet, um gegen unsoziales Verhalten vorzugehen. Für Duncan Campbell wirft diese gegenseitige Bespitzelung allerdings die Frage nach dem Schutz schwacher Menschen, zum Beispiel Kinder, auf.
Selbst wenn die Mehrheit der Briten die ständige Überwachung zu akzeptieren scheint, werden doch auch kritische Stimmen laut. Sie richten sich vor allem gegen die biometrische Datenerfassung. Die Datenbank genetischer Fingerabdrücke wächst beunruhigend schnell. Das britische DNA-Register ist das umfangreichste der Welt. In ihm sind 5,24 % der Bevölkerung verzeichnet, gegenüber 1,13 % in den Vereinigten Staaten und 0,41 % in Deutschland. In Frankreich wird nur jeder tausendste Bürger erfasst, aber die Tendenz ist steigend.
"Der britische Bürger wird nicht mehr nur gefilmt, sondern auch von Kopf bis Fuß biometrisch erfasst", bemerkt Duncan. Dies dient vor allem der Zugangskontrolle zu Schulen, Privatclubs und Stadien.
Doch die Kontrolle jedes einzelnen Menschen lässt sich noch weiter treiben. Vor einigen Monaten gelang es dem britischen Wissenschaftler Kevin Warwick, durch zwei elektronische Implantate sein Nervensystem mit einem Computer zu koppeln. Der erste Cyborg der Welt!
Wird man demnächst die Maschinen mit dem menschlichen Gehirn vernetzen?


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Wiederholung am Mittwoch 20. Juni um 16.05 Uhr und Donnerstag 21. Juni um 02.25 Uhr

(Frankreich, 2006, 27mn)
ARTE F
Regie: David Carr-Brown
Autor: Xavier Muntz, Bruno Fay
Produzent: Novaprod Owl



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Steckbrief digital

Mit der biometrischen Personenerkennung nimmt die "präventive Verbrechensbekämpfung" durch Überwachung ihren Lauf. Sicherheit für alle oder eine Gesellschaft unter Generalverdacht?

Vorbei die Zeiten, in denen Verbrecher nach begangener Tat per Steckbrief verfolgt wurden. Die Kriminalistik des 21. Jahrhunderts folgt einem anderen Trend: Seit November 2005 soll der biometrische "ePass"  weltweit Verbrechen vorbeugen: Ein integrierter Chip erschwert seitdem die Fälschung von Reisedokumenten und identifiziert eine Person eindeutig. Neben den USA und den EU-Staaten beteiligen sich an dem neuen Pass-System Japan, Australien, Russland und die Schweiz.

Biometrie - die Anwendung mathematisch-statistischer Methoden auf Lebewesen - macht es möglich, Personen aufgrund ihrer einzigartigen Körpermerkmale zu erkennen. Der Fingerabdruck ist das bekannteste unter ihnen. Er wird seit über 100 Jahren genutzt und ermöglicht die Identifizierung eines Menschen an 40 charakteristischen Punkten seines Hautlinienmusters. Mitten im digitalen Zeitalter erlebt er nun ein Comeback: Ab 2007 soll er die üblichen Daten wie Name, Geschlecht, Geburtsdatum und das neue biometriefähige Passfoto auf dem Chip des ePasses ergänzen.

Die notwendigen Lesegeräte für die Erkennung von Gesicht und Fingerabdrücken sollen bis 2008 sukzessive an allen deutschen Grenzübergängen installiert werden. Der Grenzgänger blickt dann mit neutralem Gesichtsausdruck frontal in eine Kamera und legt seinen Finger auf einen Scanner. Der auf dem ePass integrierte Chip sendet die Daten per Funk und verschlüsselt an ein Lesegerät, das die Übereinstimmung mit der Person vor Ort überprüft. Eine vollautomatische Abfertigung ist dennoch nicht in Sicht: In Zukunft werden die Grenzbeamten wohl vor allem damit beschäftigt sein, die – noch hohen – Fehlermeldungen aufzuklären. 

Ausweise in Form von Steckbriefen gibt es schon seit dem Mittelalter. Nach Kriminellen wurde damals mit einer öffentlich gemachten, möglichst genauen Beschreibung ihres Äußeren gefahndet. Ein wichtiges Hilfsmittel der Kriminalistik kam im 19. Jahrhundert mit der Fotografie  hinzu. Verbrecherkarteien mit Körpermaßen, die der französische Kriminalist Alphonse Bertillon von Inhaftierten erstellte, wurden ergänzt durch Fotos in der bekannten Frontal- und Profilansicht. Bertillon schuf damit das erste geschlossene System der Personenidentifizierung. Der Umkehrschluss, das heißt potenzielle Verbrecher an ihrem Äußeren erkennen zu können, trug dazu bei, dass das System in Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg auf die ganze Bevölkerung ausgeweitet wurde: Der erste Personalausweis mit Bild wurde eingeführt.

Sind biologische Daten erst einmal registriert und vergleichbar, ist es bis zu deren Kategorisierung nur ein kleiner Schritt, der seit dem 18. Jahrhundert und zuletzt im Dritten Reich für ideologisch geprägte Vorurteile gesorgt hat. Wenn auch die Abgüsse "typischer" Verbrecherköpfe aus dem 19. Jahrhundert ihren Platz in den Museen gefunden haben, so hat die Furcht vor dem Fremden bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 drohten die USA mit verschärften Visa-Kontrollen für Europäer, wenn nicht zukünftig die Reisepässe der EU-Bürger mit biometrischen Daten ausgestattet würden. Der damalige Innenminister Otto Schily beschrieb das Vorhaben "als wichtigen Schritt auf dem Weg zur Nutzung der großen Fortschritte der Biometrie für die innere Sicherheit" und sorgte für dessen Umsetzung.

Wenn also 2008 die geplante Einführung des biometrisch ausgestatteten Personalausweises folgt, wird die Biometrie zu einem Teil des ganz normalen Alltags. Dann werden nicht mehr nur die Grenzbeamten, sondern auch die Polizei und nicht zuletzt die Unternehmen und Banken die Möglichkeit digitaler Identifizierung nutzen. Der Personalausweis, im selben Zuge auf  Scheckkartenformat verkleinert, soll dann nicht mehr nur im Umgang mit den Behörden dienen, sondern zum Beispiel auch dazu da sein, sich bei Online-Geschäften als Kunde elektronisch auszuweisen.

Datenschützer betrachten die Vision einer online verwaltbaren Gesellschaft mit großer Sorge: Der ePass ist einer von vielen Schritten hin zu einem immer engmaschigeren Netz der Überwachung. Wo und wie sicher diese Daten verschlüsselt, gespeichert und verwaltet werden, wird in Zukunft eine zentrale Frage sein. Denn das bislang verlässlichste biometrische Merkmal ist nicht der Fingerabdruck oder das biometriefähige Passbild, sondern der Iris-Scan, der in Deutschland noch nicht offiziell eingeführt, sondern nur getestet wurde – mit Erfolg. Hierfür wird die Iris, der Augenhintergrund, aufgezeichnet. Insgesamt 250 charakteristische Merkmale einer Person werden dabei registriert. Vielflieger sehen im Irisscan vor allem einen Vorteil: Bei Grenzkontrollen genügt ein kurzer Blick in den Scanner, das Schlangestehen hat ein Ende. Der Amsterdamer Flughafen Schiphol macht es seit Oktober 2006 vor.

Bislang werden in Deutschland biometrische Merkmale nur auf dem Chip des ePasses gespeichert und sind damit ausschließlich im Besitz des jeweiligen ePass-Inhabers. In den USA dagegen werden biometrische Daten von den Einreisenden jedesmal an der Grenze neu aufgenommen und zentral gespeichert. Bis das Besitzrecht an diesen persönlichen Informationen für alle Teilnehmer des ePass-Systems einheitlich geregelt sind, bleibt die Frage, ob die neu gewonnene Sicherheit nicht lediglich den Regierungen zugute kommt.

Die zunehmende Transparenz von Daten scheint die Bürger jedoch erstaunlicherweise nicht zu schrecken. "Die totale Überwachung in Gestalt einer Behörde wie der Stasi in der DDR ist in Deutschland heute nicht in Sicht", so der Hamburger Datenschutzbeauftragte Hartmut Lubomierski. "Aus der Horrorvision einer totalen staatlichen Überwachung durch Technik“ sei die Erwartung geworden, dass „durch den Einsatz von Technik und Datenerfassung sowohl unsere individuelle als auch die gesamtstaatliche Sicherheit erhöht und unser Kommunikations- und Informationsbedürfnis besser und bequemer befriedigt werde". Diese "gefühlte Sicherheit" wird durch zeitweilige Erfolgsmeldungen bestätigt: Die beiden gescheiterten Bombenleger vom Kölner Hauptbahnhof, die Deutschland im Sommer beschäftigten, wurden schließlich von Überwachungskameras identifiziert. Die DNA-Spuren aus einem ihrer Koffer beseitigten die letzten Zweifel an ihrer Identität.
Ist das Problem von Kriminalität und Terror technisch zu lösen? Paradoxerweise bieten die neuen Sicherheitsvorkehrungen des ePasses erneut Anreize zu illegalem Verhalten: dem Abfangen und Manipulieren von Daten. Wer also Datenklau verhindern und nach wie vor mit einem Lächeln die Grenzkontrolle passieren will, der findet im Internet einen Rat: Er kann seinen ePass für einen kurzen Moment auf unterster Stufe in die Mikrowelle legen – und der Chip hat ausgedient. Der ePass soll dennoch gültig bleiben. Denn ob ein Chip funktioniert oder nicht, kann man ihm schließlich von außen nicht ansehen.
 
Bettina Reichmuth für das ARTE Magazin


Big Brother is watching

Technische Entwicklung und zunehmende Informatisierung der Gesellschaft haben den Weg für eine neue Qualität der Überwachung bereitet. Ein Überblick über die heute gebräuchlichen Methoden von Überwachung.

Identifikationsmethoden
Als digitale Identifikationsmethode hat die Biometrie den bürokratischen Informationstechnologien (Unterschriften, herkömmlicher Pass etc.) mittlerweile den Rang abgelaufen: Sie bezeichnet die automatisierte Identifizierung einer Person auf der Basis ihrer physiologischen Eigenschaften oder Verhaltensweisen.
 
Häufig verwendete Arten der der biometrischen Datenerfassung sind heute die Gesichtserkennung, das Iris-Scanning, und die Fingerabdruckerkennung. Auch Hand-, Stimm- und Gangerkennung gehören zu den neueren Möglichkeiten der biometrischen Identifikationstechnologie.
 
Generell basieren technologische Biometrien auf den immer gleichen Prozesskomponenten: Zunächst erfolgt eine biometrische Messung, die anschließend in digitale Information umgewandelt wird und als biometrische Vorlage der betreffenden Person gespeichert wird. Bei jeder weiteren Identifizierung wird eine weitere biometrische Messung vorgenommen und die Übereinstimmung mit dem vorliegenden Muster überprüft. Sind beide Messungen identisch, so ist die Identität der Person bestätigt. Möglich ist auf diesem Wege auch das Verhalten der betreffenden Personen zu überprüfen. Das System weiß, wer zu welchen Zeitabständen, auf welchen Identifizierungs-Checkpoint zugegriffen hat. Die Daten können so miteinander verbunden werden und der Datenkörper eines Individuums somit kontrolliert werden.
 
Kameraüberwachung
Immer häufiger wird heute versucht die Sicherheit von öffentlichen Bereichen wie Straßen, Bahnhöfen, Flughäfen, Schulen und Bürogebäuden mit Hilfe von Kameraüberwachung zu gewährleisten. Die Überwachung mit sogenannten CCTV (closed-circuit-television-Systemen – zu deutsch: Fernsehen im geschlossenen Kreislauf) ist mittlerweile gang und gäbe. Die Entwicklung reicht von statischen, niedrig auflösenden und leicht sichtbaren Kameras bis hin zu miniaturisierten, nachtsichtfähigen Zoom-Kameras, die oft mit Gesichts- oder Gangerkennungssystemen, also biometrischen Identifikationsmethoden, arbeiten.
 
Großbritannien weist die höchste Kameradichte der Welt auf. Die Gesamtzahl der Überwachungskameras wird hier auf ca. 300.000 geschätzt. Auch in Frankreich, Spanien und Deutschland sind Überwachungskameras ein verbreitetes Mittel zur Kontrolle des öffentlichen Raumes. Sie werden unter anderem zur Terrorismusbekämpfung eingesetzt.
 
 
Monitoring und Co
Generell gilt: je mehr Arbeit informatisiert und digitalisiert wird, desto leichter und weitreichender funktioniert die Überwachung. In vollständig digitalisierten Arbeitsumgebungen, wie etwa Call-Centern oder E-Commerce-Betrieben ist das Monitoring weit verbreitet. Hierbei wird die Leistung von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen anhand von Arbeitstempo, Effizienz, Pünktlichkeit, Online-Verhalten, Pausendauer- und Häufigkeit und Telefongesprächen überwacht. In vielen Betrieben überprüfen Systemadministratoren den E-mail- und Internetverkehr von Angestellten über das Firmennetzwerk.
 
Zur Überwachung von einzelnen Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen können auch Keyboarding Monitoring Systems zum Einsatz gebracht werden. Der auf dem Keyboard eingegebene Text wird hier von der Tastatur drahtlos an die Kontrollstelle gesendet.
 
Zur Ausrüstung der Arbeitsplatzüberwacher gehören auch vergleichsweise "alltägliche" Werkzeuge wie Geheimkameras und –mikrofone, die in Teeküchen, Garderoben und ähnlichen Orten des "informellen Informationsaustausches" versteckt angebracht werden. Auf diese Weise können Mitarbeiter auch während ihrer Arbeitspause beschattet und auf ihre Loyalität "geprüft" werden.
 
Eine erweiterte Möglichkeit der Arbeitsplatzüberwachung liegt in der Analyse der Software des GPS-Navigationssystems. Dieses sogenannte Tracking wird noch leichter wenn Firmenautos mit Internet-Anschluss ausgestattet sind. Nicht nur die firmeninterne Überwachung wird hier einfacher – auch die Fahrzeughersteller können so ihre Kundendatenbanken bequem und kostenlos analysieren.
 
 
Telefonüberwachung
Auch die Überwachung von Telefonleitungen gehört zum Standartrepertoire der meisten Überwachungssituationen. Digitale Verbindungen lassen sich nicht nur abhören und in allen Einzelheiten analysieren, man kann auch genaue Profile des Telefonverhaltens von Angestellten erstellen lassen.
 
Der Trend zur flächendeckenden Überwachung von elektronischer Kommunikation hat sich seit 2001 massiv verstärkt. In nahezu allen hochtechnisierten Ländern wurden Vorkehrungen getroffen, um die Kommunikationstechnologien der "dritten Generation" in Echtzeit zu überwachen.
 
Neben dem direkten Abhören von Telefongesprächen und der gezielten Überwachung von Telefonanschlüssen wird eine große Anzahl von Anschlüssen ungezielt überwacht. Verbindungsdaten werden aufgelistet und Kommunikationszusammenhänge über lange Zeiträume ausgewertet. Außerdem erlauben Spracherkennungsprogramme automatisch nach Stichworten oder nach verdächtigen Wortkombinationen zu horchen. Diese Verbindungsdaten können markiert werden und für eine intensive Überprüfung empfohlen werden.
 
Das hochautomatisierte Abhörsystem Echelon wird seit den 70er Jahren von den wichtigsten Nachrichtendiensten aus fünf Nationen (USA, GB, Kanada, Australien und Neuseeland) betrieben. Mit ihm können jegliche Arten von Kommunikation auf der ganzen Welt abgehört werden. Obwohl das System der Terrorismusbekämpfung dienen soll, konnten die Anschläge des 11. Septembers 2001 durch Echelon nicht verhindern werden. Seitdem wird vermutet, dass Echelon auch wirtschaftlichen, diplomatischen und privaten Interessen dient. 
 
 
PC-Überwachung
Mit bestimmten Überwachungsprogrammen können Computerbenutzer heute unbemerkt ausspioniert werden. Ein "Controller" kann sämtliche Aktivitäten auch nachträglich observieren. Diese "Schnüffelsoftware" überwacht Programme, Tastatureingaben und Aktivitäten im Internet. Selbst Passwörter (PIN, TAN) sind davor ungeschützt. Die Anschaffung und Installation derartiger Programme ist legal - die Anwendung nur, wenn man seine eigenen Aktivitäten kontrolliert.
 
Um Sicherheit im weltweiten Netz zu gewährleisten, betreiben Experten (Hacker) sogenannte Gegenspionage. Mit ihrem Fachwissen spüren sie Sicherheitslücken in den Programmen auf und können so helfen, den Datenschutz zu optimieren.
 
 
RFID-Chips
Nicht nur die PC-Überwachung ist ein Eingriff in die Privatsphäre des Menschen. Völlig neue Möglichkeiten der Datensammlung und Überwachung bietet der Einsatz der RFID-Technologie. RFID (Remote Frequency Identifier bzw. Radio Frequency Identification), ursprünglich entwickelt, um den Strichcode z.B. auf Lebensmitteln oder anderen Objekten abzulösen, erlaubt das kontaktlose Lesen von Daten über Distanz.
Um ein Objekt mittels RFID zu markieren, muss ein so genannter RFID-Tag angebracht werden, der teilweise nur wenige Millimeter groß sein muss, um Daten über mehrere Meter senden zu können. RFID-Tags werden stillschweigend in immer mehr Produkten des täglichen Lebens eingearbeitet, ohne die Kunden zu informieren. Da solch ein "Produkt-Kennzeichen" theoretisch eine unbegrenzte Lebensdauer besitzt, wird der Kunde zu einem wandelnden Informationssender über die Waren bzw. Produkte, die er bei sich trägt.
In zehn bis 15 Jahren sollen Waren im Supermarkt, Bücher, Dokumente oder Patienten in Krankenhäusern mit den hauchdünnen Chips ausgestattet sein. Langfristig sollen die Chips sogar miteinander Daten austauschen. Datenschützer fürchten, mit RFID stehe der "gläserne Kunde" vor der Tür.
RFID werden mittlerweile unter anderem auf Ausweisdokumenten (beispielsweise dem neuen deutschen Reisepass) und in Geldkarten benutzt. 

Sonja Fahrenhorst

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